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Claudia Günther jetzt Co-Leiterin des Waisenheims in Cambine [siehe]

Rundbriefe von Claudia und Thomas Günther [siehe]

Kinder in Cambine - Chancen und Herausforderungen

Claudia Günther arbeitet seit gut einem Jahr im Carolyn Belshe Waisenhaus in Cambine. Auf unsere Fragen zum Zustand und der Entwicklung des Waisenhauses hat sie Folgendes geantwortet:

Claudia Günther

Wie viele Kinder in welchem Alter betreut ihr im Waisenhaus und woher stammen sie?
Zum Waisenhaus gehören 56 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen zwei Monaten und 25 Jahren. Zwei 25 Jahre alte Männer sind geistig behindert und werden wohl für immer im Waisenhaus leben, weil es für sie keine anderen geeigneten Unterkünfte gibt. Die Kinder kommen normalerweise über das Jugendamt zu uns. Aber es ist auch schon vorgekommen, dass ein Vater mit seinem Säugling vor unserer Tür stand: Die Mutter starb bei der Geburt und der Vater sah sich nicht imstande, das Kind zu versorgen. Eigentlich ist der Begriff „Waisenhaus“ für unsere Einrichtung irreführend. Viele unserer Kinder sind Halbwaisen oder haben auch noch andere Verwandte. Aber die Familien haben aus verschiedenen Gründen keine Möglichkeiten, für die Kinder angemessen zu sorgen.

Was macht dir besonders Freude bei der Arbeit mit den Kindern?
Für mich ist es schön zu erleben, wie jetzt, nach gut einem Jahr, Beziehungen gewachsen sind. Ich freue mich vor allem, wenn die Mädchen zu mir kommen und mir von ihren Freuden und Sorgen erzählen. Ich sehe darin ein Zeichen des Vertrauens. Wir haben auch viele Kleinkinder im Alter bis zu zwei Jahren. Ich genieße es, wenn sie zu mir kommen, um mit mir zu scherzen und zu albern. Wir haben viel Spaß miteinander.

Hattest du in der letzten Zeit ein besonderes Erlebnis, an dem du uns Anteil geben möchtest?
Ein Erlebnis gab mir sehr zu denken. Ich kam ins Waisenhaus und wollte mit einer der Mütter sprechen. Doch ich suchte sie vergeblich. Die Direktorin war in Urlaub. Eine Mutter hatte ihren freien Tag. Und die beiden Frauen, die hätten anwesend sein müssen, waren zu einer Beerdigung gegangen. Die Kinder waren sich selbst überlassen, auch die Babys. Natürlich gibt es im Waisenhaus Jugendliche, die auf die Kleineren achten können. Aber niemand hatte sie beauftragt. Auch wenn ich weiß, dass Beerdigungen hier eine viel größere Rolle spielen als in Deutschland, frage ich mich: Sind denn die Toten wichtiger als die Lebenden?

Welche Chancen und Herausforderungen siehst du für das Waisenhaus?
Wir stehen im Waisenhaus vor tiefgreifenden Veränderungen. Zurzeit wohnen in einem Haus die Mädchen, in einem anderen die Jungs und im dritten die Hausmütter mit den Babys. Das wollen wir ändern. Künftig sollen die Kinder wie in einer Familie zusammenleben, also nicht mehr nach Geschlechtern getrennt. Dafür müssen u. a. neue Häuser gebaut und die angestellten Hausmütter weitergebildet werden. Das ist eine große Herausforderung. Wir haben deshalb schon Kontakt mit den SOS-Kinderdörfern hier in Mosambik aufgenommen. Wir hoffen, es wird möglich sein, dass unsere Mütter dort ein Praktikum machen oder an Weiterbildungen teilnehmen können.

Zweckgebundene Spenden sind unter der Projektnummer 4508 willkommen.