Von Teles nach Cambine
Mosambik liegt im südöstlichen Afrika direkt am Indischen Ozean. 1498 wurde das Land von den Portugiesen "entdeckt" und zur Kolonie gemacht. Erst 1975 wurde es nach einem 11-jährigen bewaffneten Widerstandskampf der Freiheitsbewegung FRELIMO unabhängig. Sie leitete nach der Unabhängigkeit auch den Staatsapparat, der zunehmend sozialistische Züge annahm.
Daraufhin wurde die RENAMO gegründet, eine Bewegung, die vom südafrikanischen Apartheid- Regime sowie von Rhodesien (heute Simbabwe) gestützt wurde und gegen das sozialistische FRELIMO-Regime kämpfte. Ein 16-jähriger Bürgerkrieg war die Folge, in der die FRELIMO von der Sowjetunion und der DDR unterstützt wurde. Der Krieg zog das Land in eine tiefe wirtschaftliche und humanitäre Krise, deren Folgen man heute noch erkennen kann. Erst 1992 endete der Krieg mit den Verträgen von Rom.
Diese vielen Kriegsjahre haben Spuren besonders bei Kindern hinterlassen. Viele haben ihre Eltern verloren, waren unterernährt, wurden als sogenannte Kindersoldaten an die Front geschickt oder wurden als Sexsklavinnen missbraucht. Viele Kinder konnten nicht zur Schule gehen und konnten weder schreiben noch lesen. Sie lebten allein auf der Straße ohne Schutz und Geborgenheit einer Familie.
Noch während des Bürgerkrieges in den 1980er Jahren gründete die weltweite EmK das Programm »Children of War« - »Kinder des Krieges«. Einige der Kinder wurden zuerst im Krankenhaus Chicuque behandelt, untergebracht und erhielten auch Unterricht. 1990 zogen sie in ein nahe gelegenes ehemaliges Lepradorf nach Teles. Carolyn Belshe, eine EmK-Missionarin aus den USA, leitete viele Jahre dieses Waisenhaus. Dort lebten die Kinder in Rundhäusern in kleinen Familienverbänden. Zuerst waren es acht Kinder, dann wurden es immer mehr.
In Teles gab es nur eine Grundschule. Die älteren Kinder mussten einen weiten Fußmarsch zu den weiterführenden Schulen auf sich nehmen. So wurde nach einer besseren Lösung gesucht und in Cambine, etwa 30 km von Teles entfernt, diese auch gefunden. Dort gibt es sowohl eine Grundschule als auch weiterführende und berufsbildende Schulen. Auch das Theologische Seminar Cambine befindet sich dort. 2005 zogen die Kinder und Mitarbeitenden von Teles in das »Carolyn Belshe Waisenhaus« nach Cambine um. Auch Kinder aus einem anderen Kinderheim in Songo im Norden Mosambiks kamen dazu.
Heute verlieren Kinder ihre Eltern nicht mehr durch den Krieg, sondern hauptsächlich durch die weit verbreitete Krankheit HIV/Aids. Auch werden Kinder aufgenommen, deren Eltern sie wegen extremer Armut nicht mehr ernähren können. Momentan (Juni 2011) leben über 50 Kinder im „Carolyn Belshe Waisenhaus“ und werden dort auf eine bessere Zukunft vorbereitet.



